Südafrika-Rundfahrt, Ende 2005
Südafrika in 15 Tagen. Geht das? Na ja, für einen ersten Eindruck reicht's, gerade so.
Für einen Europäer, der das erste Mal dorthin kommt, gibt es eine derartige Fülle an
neuen Eindrücken, dass man unweigerlich das Gefühl bekommt, hier unbedingt noch mal
herkommen zu müssen und sich alles intensiver anzusehen; es sei denn, man hat bereits nach
der Ankunft in Johannesburg eins über den Schädel gekriegt und alle Wertsachen sowie
die Reserve-Unterwäsche verloren. Dann hält sich die Sehnsucht vermutlich in Grenzen.
Das war in diesem Fall aber nicht so. Reisezeit war von Mitte November bis Anfang Dezember
2005. Die Anreise lief vermittels British Airways über Düsseldorf nach London und von dort
nach Johannesburg. Über den Flughafen wird noch zu sprechen sein!
Nach der Landung morgens gegen viertel nach sechs holte uns ein Typ vom Reiseveranstalter
mit einem Schild "Grafy" ab und karrte unsere Klamotten zum AVIS-Schalter, wo wir den
Mietwagen übernehmen sollten. Er blätterte die Gutscheine für die diversen vorgebuchten
Hotels durch und war der Meinung, sein Tip (Trinkgeld) damit verdient zu haben. Trotz
Übermüdung fiel uns aber doch auf, dass kein Ticket für den Flug von Durban nach Port
Elizabeth dabei war.
Die Dollars in seinen Augen verschwanden und machten einem unsicheren Flackern Platz. Mist.
Ab zum Schalter des Tourveranstalters, der zum Glück nur wenige Schritte entfernt lag.
Da saß ein anderer Experte in der Bude und machte genau so ein Gesicht wie der erste.
Aber er wusste sich zu helfen und telefonierte los. Jawoll, äh, die Tickets werden in
Durban am Schalter hinterlegt. Wir bekämen in unserem ersten Hotel ein Fax mit der
Buchungsnummer. Alles Paletti. Na jut.
Die Prozedur bei AVIS war dann kurz und bündig, keine Versuche, uns noch irgend ein upgrade
anzudrehen; allerdings auch keine weitere Unterstützung, Einweisung oder sonst was.
Hier ist der Schlüssel, die Karre steht auf -was weiß ich- B57, und tschüss. Die Mühle,
ein Corolla mit Automatik und Klima, war ok, keine nennenswerten Beulen; Wagenheber und
Reserverad ok. Eingeladen, alles justiert und los. Bahn frei, wir kommen.
Die Zu- und Abfahrten am Flughafen Johannesburg sind sehr übersichtlich gestaltet, etwa
so wie ein Maislabyrinth. Der Straßendesigner muss schwere Depressionen gehabt haben oder
er hat ein Studium des Expressionismus erfolgreich abgebrochen... Demzufolge kurvten wir erst
mal ein bischen zwischen Frachthallen, Hintereingängen und dubiosen Gebäuden herum.
Zweiter Anlauf. Mitten in der Kurve biegt eine andere Kurve ab. Die isses! Rauf auf den
Highway, immer schön links halten. Geht doch.
Das erste Hotel, das Walkerson's Country Manor, liegt
zwischen Dullstroom und Lydenburg,
etwas abseits in einem bewachten Tal. Fahrzeit vom Flughafen etwa 3 Stunden, gut zu
finden. Die ganze Anlage ist im englischen Landhausstil gehalten, nachgemachte Bruchsteine,
offene Kamine, alte Schinken an den Wänden, sehr gemütlich.
Riesenfarm mit Forellenteichen.
Eigentlich was für Angler, für uns nur eine Station auf dem Weg zum Krüger-Nationalpark.
Gutes Mittagessen, das Gepäck mal durchgelüftet und den Kamin angeworfen. Hier ist es
nicht sehr warm. Telefonieren ist billig: drei bis vier Minuten nach Deutschland für vier
Rand. Kurs zu dem Zeitpunkt etwa 0,13 Eurocent. Auch die Essens- und Getränkepreise,
einschließlich der Minibar, sehr moderat für den gebotenen Standard. Na prima. Südafrika
stellt sich als ein Land heraus, indem man insgesamt einen guten Wert für sein Geld bekommt,
was nicht heißt, dass es billig ist, aber preiswert.
Nach dem guten Abendessen zeigt sich der Himmel glutrot.
Unterwegs sind uns schon viele
abgebrannte Wälder und Hänge aufgefallen. Die fackeln hier wohl lange und gerne. Wir
stochen fleißig den Kamin und freuen uns über die dreißig Grad im Zimmer. Waren wohl
doch etwas zu viele Klütten. Egal, immer schön die Kehle feucht halten; dann geht's schon.
Am nächsten Morgen mal dezent nach dem Fax für die Tickets gefragt. Nix da, war klar.
Soll in Kapama eintrudeln. Frühstück, ausgecheckt und weiter. Über Lydenburg geht's zum
Blyde River Canyon. Stop an "God's Window". Man genießt
einen schönen Ausblick über
die östliche Ebene. So hatte ich mir Afrika nicht vorgestellt, eher so Serengeti-mäßig,
à la Grzimek (sprich: Dschimmek; wer kennt ihn noch?).
Die Tourbeschreibung passt nicht zur Gegend. Muss an der Gegend liegen. Landkarte befragt
und tapfer gepokert. Durch schlampige Dörfer, armselige Hütten, Unrat, hauptsächlich
Bierflaschen, Dosen und Plastikpullen. Muss das sein? Viel Volk auf den Straßen, vorsichtig
fahren, bloß keinen umnieten.
Da der Tourbeschreibung nur begrenzt zu trauen war, folgen wir dem Schild "Kapama" und
landen auf einer endlosen Schotterpiste. Raddeldibotz gelangen wir zum Eingangstor des
Privatreservats; aber hier sind wir falsch. Das Reservat ist riesig, von Weitem sieht man
die Drakensberge. Es gibt mehrere Camps
und Eingangstore. Der Wächter zeigt uns den Weg zum richtigen, der
Kapama River Lodge,
gelegen im Buffalo Camp. Wie soll man das wissen?
Dort werden wir am Tor von einem Ranger abgeholt und zur Lodge gelotst. Wir bekommen einen
eigenen Ranger zugewiesen, John, der mit einem Tracker, einem Fährtenleser namens Michael,
ausgestattet ist. Die zwei betreuen uns die beiden Tage in Kapama. Koffer in's Zimmer,
Kamera geschnappt und gerade noch die Abend-Pirschfahrt erwischt.
Ein offener Landrover mit drei Passagierbänken, auf der
Motorhaube vorne links ein
Stühlchen für den Tracker. Erinnert mich an John Wayne in "Hatari!", der aus diesem Stühlchen
Nashörner und Elefanten gefangen hat. Im Film! Ranger John hat acht Jahre im Busch gelebt und
kennt sich aus. Hin und wieder erklärt er uns Pflanzen und welche Bedeutung sie für
die schwarzen Bewohner haben: Nahrung, Körperpflege oder Medizin.
Die ersten Tiere, die wir zu sehen bekommen, sind Impalas,
kleine, schmackhafte Antilopen, die sehr häufig vorkommen. Der Tracker studiert den Boden,
Fährten und Büffelscheiße, wie alt sie ist. Pillendreher-Käfer
kümmern sich um die Elefantenkacke, die sehr nährreich ist, weil Elefanten schlechte
Kostverwerter sind und fünfzig Prozent der Nahrung ungebraucht hinten wieder rausdrücken.
Interessant, aber Geschmackssache.
Giraffen haben sehr gute Augen und können einen Löwen
mit einem Tritt töten, behauptet
John. Er muss es wissen. Elefanten haben schlechte Augen
und können gut riechen, obwohl sie nicht gut riechen. Wenn man sich ihnen nähert, tut man
gut daran, sich schon von weitem bemerkbar zu machen. Auf Überraschungen können die Kameraden
sehr ungehalten reagieren; wenn sie jedoch wissen, dass da jemand ist, der sie nicht weiter
belästigt, sind sie friedlich und knacken in aller Seelenruhe ihre
Bäume um. Das Krachen verrät sie schon von Weitem.
Es ist erstaunlich, wie nahe man rankommt. Die Tiere sind die Landrover mit den vielen
Köpfen gewohnt. Auch das Klicken und Blitzen der Apparate stört sie nicht weiter. Als
jedoch ein alter, riesiger Bulle vor dem Jeep auftaucht und mit erhobenem Rüssel
Richtung Insassen schnüffelt, macht sich Michael als Kühlerfigur ganz klein; wir anderen
halten auch die Schnauze und trauen uns nicht, ihn zu knipsen. Wer weiß, wie er auf
ein Blitzlicht reagiert? Die Distanz beträgt mal gerade zwei Meter, da beschleicht einen
Ehrfurcht, das Lächeln wirkt angestrengt. Aber der Riese tut weiter nichts.
Wir sind angewiesen worden, in Gegenwart von gefährlichen Tieren nicht aufzustehen oder
Krakeel zu machen. Das beherzigen wir denn auch mal schön. Im weiteren Verlauf sehen wir
Adler, Geier,
Nyala, Kudus, Gnus und andere
Tiere. Die Warzenschweine sind sehr scheu
und hauen schon auf weite Distanz ab. Sie werden wissen, warum. Warzenschwein kann man
essen. Frischer Dung verrät die Kaffernbüffel mit ihrem
Respekt einflößendem Gehörn.
John hält sie für die gefährlichsten der "Big Five", weil sie ohne Vorwarnung attackieren.
Unter den "Big Five" verstehen die Ranger Löwe, Leopard,
Nashorn, Elefant und
Büffel. Bis auf
den scheuen Leopard haben wir sie zu sehen bekommen. In einer Grube neben einem Tümpel
liegen zwei vollgefressene Löwinnen. Sie haben gestern
ein Gnu gerissen und sich die Wampe vollgeschlagen. Sie lassen sich nicht im geringsten
von unserer Anwesenheit stören und verdauen friedlich vor sich hin.
Zum Sonnenuntergang halten wir in der Nähe eines Teichs, in dem zwei zugekaufte Flußpferde
residieren. Michael baut die Bar auf und wir genehmigen uns einen
"sundowner", den man
auf's Zimmer buchen kann. Es ist herrlich; zum Glück keine Mücken. Vorsichtshalber haben
wir Malarone als Malaria-Prophylaxe geschluckt. Im Westen des Krügerparks ist das Risiko
angeblich gering, aber da es sich im Fall des Falles um malaria tropica handelt,
ist Vorsicht der bessere Teil der Tapferkeit.
Nach Einbruch der Dunkelheit schnappt Michael sich einen Suchscheinwerfer, und wir
gondeln im Dunklen noch so etwa eine dreiviertel Stunde durch den Busch, ohne allerdings
irgendwelches Getier zu erspähen. Eine schöne Tour. Im Camp gibt's noch ein Dinnerbuffett
mit Stammesgesängen und Tänzen am Lagerfeuer. Das Essen ist "na ja", das Castle Lager i.O.
Im Zimmer hissen wir die Moskitonetze und strecken den Mücken die Zunge raus.
Am nächsten Morgen heißt's um fünf aufstehen, eine Tasse Kaffee und los zur Morgenpirsch.
Alle Mann wieder rin in die Karre. Im östlichen Teil des Reservats liegt eine
desolate Giraffe, zwei Dutzend Geier drumherum.
Es stinkt bestialisch nach Verwesung. Michael
bemerkt eine Schleifspur, der wir mit dem Jeep folgen. Etwas abseits der Piste liegt
friedlich ein Löwenmännchen und rülpst leise vor sich
hin. Er hat das Kalb der Giraffe
liquidiert, unter einen Busch gezerrt und halb aufgefressen.
Bis auf wenige Meter kutschiert John heran, und wir bemerken das zufriedene Grinsen
des Gourmets. So vollgefressen könnte man ihn wahrscheinlich am Schwanz auf Seite ziehen,
ohne dass das Vieh sich rührt. Wir lassen's aber nicht drauf ankommen.
In einem schlammigen Flusslauf finden wir eine Herde Nashörner.
Es sind White Rhinos, wozu Michael anmerkt, dass man wahrscheinlich "white" mit "wide"
verwechselt hat. Weiß sind die nämlich nicht, aber sie haben ein breites Maul (wide mouth).
Keine Ahnung. Friedliche Tiere, die gemütlich ihr Gras mampfen. Prima Fotos.
Nach insgesamt drei Stunden trudeln wir wieder im Camp zum Frühstück ein. Danach gibt's
eine Tour zum "Cheetah Project"; dabei handelt es sich um eine Aufzuchtstation für
Geparden, die man im Park wieder auswildern will. In einem kleinen Kino wird man über
die Historie, den Zweck des Projekts und die Lebensgewohnheiten der Tiere informiert
und dann wieder mit einem Safarijeep durch die weitläufige Station gefahren.
Die Geparden allerdings laufen nicht frei herum sondern
sind inhaftiert. Sie werden
gefüttert und dann zwei Stunden kamera-überwacht, ob sie kotzen oder Dünnschiss kriegen.
Dann herrscht helle Aufregung, und sie werden mit Antischiss forte behandelt, verkorkt,
oder was weiß ich.
Desweiteren gibt es noch zwei ramponierte Tiger zu sehen,
die man einem Kleinzirkus abgenommen hat, in dem sie halb tot "gepflegt" wurden.
Wildhunde und einige sonderbare
Vögel komplettieren die Besatzung der Sani-Station. Wir bekommen noch das
Restaurant der Geier gezeigt sowie den Eingang zum curio shop
und werden anschließend zum Kapama camp zurückgebracht. Schön, schön.
Auf unser Ansinnen, mal einen Fußmarsch durch's Gebüsch machen zu wollen, natürlich mit
Rangerbegleitung, reagiert man irgendwie zurückhaltend. Nä, nä, keine Zeit oder wie.
Buchen wir halt noch mal die Abendsafari. Die ist heute allerdings nicht so ergiebig
wie gestern. Die Scheinwerferpirsch nach dem sundowner bringt wohl traditionell nichts.
Aber eine schöne Tour ist es allemal und kann auch auf's Zimmer gebucht werden.
Dinner heute ohne Musike, aber genauso lala wie gestern.
Ach ja, die Tickets. Das Fax war tatsächlich angekommen, alles in Butter. Somit bretterten
wir frohgemut der nächsten Station entgegen.
Swasiland war auf dieser Tour nur eine Durchgangsstation mit einer Übernachtung.
Gelohnt hat es sich dennoch, schon alleine wegen der Einreise. Die Grenzstation
Jeppe's Reef entsprach exakt meiner Erwartung eines afrikanischen Zollbetriebs
(Vorurteil, natürlich). Weil wir ja nach Swasiland einreisen wollten, gingen wir
hoffnungsfroh in das Büro mit der Aufschrift "IMMIGRATION".
Das war aber falsch, weil wir zunächst mal aus Südafrika auszureisen hatten. Logisch!
Im Ausreisebüro kriegten wir relativ problemlos einen Stempel und ein Einreiseberechtigungspapier,
das wir den Lümmels an der Schranke zeigten. Lässig zeigen sie uns den Weg zu dem
bereits bekannten Einreisebüro. Also doch!
Da lag einer in der Ecke und betrieb Augenpflege, ein anderer hockte hinter seinen
Stempeln und muffelte uns ein Einreiseformular hin. Mit einer knappen Handbewegung
wies er uns den Weg zu den bereitgestellten Kugelschreibern; an alten Paketschnüren
hingen dort zwei leere Hülsen und eine betagte Mine, mit deren Hilfe man den
schriftlichen Teil der Einreiseprozedur bewältigen sollte.
Der erste Anlauf wurde abschlägig beschieden, weil irgend ein Eintrag fehlte,
maker of the car oder so. Danach wurde dann wortlos ein Stempel in den Pass
gehauen, fünf Rand für einen Tag Autofahren in Swasiland kassiert und wieder mit einer
Handbewegung angedeutet, dass wir sehen sollten, dass wir weiterkommen. Voller ergebener
Dankbarkeit (grins) setzten wir uns per Auto Richtung Schranke in Bewegung. Mit unendlich
gelangweilter Attitüde öffnete ein Offizieller den Schlagbaum und meinte voll cool,
dass wir weitermachen sollten, bevor er es sich anders überlegte. Dank, Dank, untertänigsten
Dank. Der Tag war gerettet, über die Clowns haben wir noch lange gelacht.
Durch das grüne Land, das stellenweise an den Schwarzwald erinnerte, fuhren wir an
Mbabane vorbei zum Ezulwini-Tal, wo sich das Hotel Royal Swazi Sun Casino and Spa befindet.
Auffällig waren die vielen Fußgänger, die eine Schubkarre vor sich herschoben. Gehen
die damit einkaufen? Wer was auf sich hält, hat 'ne Schubkarre dabei. Merkwürdig.
Wenn sie eine Karre mit zwei Rädern benutzten, hätten sie eine Hand frei...
Typisch deutscher Rationalismus gegen afrikanische Tradition. Was soll's.
Das Hotel war voller Zocker, die in Shorts und
Badelatschen vor den einarmigen Banditen
hockten und dafür sorgten, dass dem Swasikönig die Knete nicht ausgeht. Ein riesiger
Bau mit geräumigen Zimmern, guten Restaurants und einer gepflegten Anlage. Früher
muss hier die Hölle los gewesen sein; die Südafrikaner kamen in Scharen zum Zocken,
weil es in Südafrika verboten war, bis die Regierung rausgefunden hatte, dass man
an Zockern richtig viel Moneten verdienen? nein: kassieren! kann.
Im Planter's Restaurant gab's ein gutes Straussencarpaccio und ein hervorragendes
Filetsteak, in Kombination mit afrikanischem Rotwein eine durchaus akzeptable
Verpflegung (mjam-mjam). Passt scho...
Durch ärmlich aussehende Dörfer fahren wir Richtung Südosten und spielen das bekannte
Reisespiel: Wer einen mit 'ner Schubkarre sieht, kriegt 'nen Punkt. Hinter
Big Bend biegt die Strasse nach Süden ab und man erreicht
die Grenzstation Lavumisa. Die Ausreiseprozedur geht dann in umgekehrter Reihenfolge
wie die Einreise, allerdings diesmal ohne Theater. Tach, Stempel, Tschüss.
In Südafrika wird sehr rücksichtsvoll gefahren. Sieht man im Rückspiegel einen
schneller fahrenden Zeitgenossen, macht man nach Möglichkeit Platz, um ihm das
Überholen zu erleichtern. Ein gut erzogener Autofahrer wird sich mit zweimaligem
Blinken der Warnblinkanlage bedanken, was man, je nach Gemütslage, wiederum mit
einem kurzen Lichthup quittiert. Das habe ich übrigens mittlerweile sogar
schon in Deutschland erlebt. Vielleicht wird's ja doch noch was mit Fahrkultur...
Irgendwo biegt der Weg zum Thanda Tented Camp von der Landstrasse nach rechts ab. Etwa
sechs Kilometer rattert man über die gravel road zum Thanda Gate. Dort stellt man
den Wagen unter und wartet darauf, mit dem Jeep abgeholt zu werden. Das kann bis
zu einer dreiviertel Stunde dauern, wie ich jetzt aus Erfahrung weiß. Ein Mensch,
der sich als "Peggie" vorstellt, holt uns ab und schaukelt über schlammige Wege
zum Camp, das noch mal eine weitere halbe Stunde entfernt irgendwo im Busch liegt.
Hier gibt's keinen Strom, gasbetriebene (aber defekte) Minibars, ein Hauptzelt, in dem
sich die Küche und das Restaurant befinden, sowie vier Gästezelte. Man wird nach
der check-in-Prozedur dorthin geleitet; wir dürfen nicht alleine gehen: "zu gefährlich!"
Der Typ ist allerdings unbewaffnet; möchte mal wissen, was er tut, wenn plötzlich
ein Löwe auftaucht. Fersengeld ist da eine ungeeignete Währung. Wer rennt, stirbt!
lautet einer der Kalendersprüche in Afrika.
Die Zelte sind großartig, eigentlich wie
Hotelzimmer,
nur dass die Wände halt aus Plane bestehen. Sehr geräumig,
sauber, Petroleumfunzelbeleuchtung. Kurz die Klamotten
deponiert und ab geht's zur Pirschfahrt. Die geht nach dem gleichen Muster wie in Kapama
vor sich. Auch hier findet sich eine sehenswerte Tierwelt,
das Gelände ist hügelig, die Wege schlammig und man wird durchgeschüttelt.
Die beiden Führer, Theobaldi, der Ranger, und Peggie,
der Tracker, sind freundliche, gewissenhafte Leute, die viel über die
Fauna und Flora erzählen.
Die "Big Five" kommen nicht so häufig vor wie im Krüger Park; stattdessen gibt es
andere interessante Tiere
zu sehen. Bei der Nachtfahrt entdecken wir einen Serval, ein Höhepunkt; denn ansonsten
gibt's nachts nur Insekten im Scheinwerferlicht zu sehen.
Nach der Pirschfahrt wird im Hauptzelt ein großartiges Menü serviert, bei dem man sogar
zwischen jeweils zwei Vorspeisen, Hauptgerichten und Desserts wählen kann. Und das bei
einer Küche, die nicht mal 10 Quadratmeter groß ist. Carpaccio vom Kudu und danach
Warzenschwein, dazu, wie immer, einen guten Roten. Das Camp ist zu drei Vierteln
belegt; Wir sechs machen uns einen schönen Abend, der Service ist perfekt, Vollpension.
Wir werden zu den Zelten begleitet, die fachgerecht verschlossen werden. Danach
verschwindet die gesamte Lagerbesatzung bis auf Einen, der Wache schieben muss. Man lauscht
den fremden Geräuschen jenseits der Plane und fragt sich, ob Elefanten oder Löwen
Reißverschlüsse aufkriegen; also, man schläft sehr leicht.
Kurz nach Sonnenaufgang ist Aufstehen angesagt. Katzenwäsche, Tasse Kaffe. Es gewittert.
Wir warten den Regenschauer ab, dann geht's los zur Morgenpirsch.
Wir treffen eine Herde Büffel, an die wir bis auf zwei Meter rankommen. Sonst gab's
nur kleinere Tiere zu sehen, einen Skorpion und kleine Schildkröten, die mit stoischer
Gelassenheit die Wege kreuzen. Theobaldi erkennt sie rechtzeitig, und so überleben sie,
einstweilen.
Zurück im Lager packen wir nach einem ausgiebigen Frühstück die Klamotten und checken aus.
War alles inclusive, nix zu bezahlen. Dennoch gehört ein angemessenes Tip zu den durchaus
willkommenen Gepflogenheiten. Sollen sie haben, haben sie sich verdient. Zum Abschied
schütteln wir uns auf "Buschmännisch" die Hände: erst gibt man normal die Hand, dann
wechselt man zum "dicker, alter Harleyfahrer"-Griff, bei dem man gegenseitig den Daumen
umgreift, wieder zurück zum Normalgriff und noch mal Starker-Mann-Griff. Ist hier so
üblich.
Es geht wieder zurück zum Hiway N2 Richtung Durban, vorbei an Hluhluwe und dem Umfolozi-
Park. Das sind sicher auch sehenswerte Reiseziele; vielleicht beim nächsten Mal. Ein paar
Kilometer vor Durban liegt Ballito, ein Feriennest am Meer. Unser Ziel ist das
Boutique-Hotel Izulu.
Eine schöne Anlage im Stil römischer Villen, sehr geräumige Zimmer mit eindrucksvollen
Badezimmern. Genau das Richtige um endlich mal die Schuhe zu putzen und das Tagebuch
nachzuholen. Für großartige Erkundungen ist leider wenig Zeit; das Wetter ist ohnehin
nicht besonders, stark bewölkt und stürmisch. Also lassen wir's bei einem guten
Abendessen bewenden.
Ein seltsames Pärchen, das exakt die gleiche Tour fährt wie wir, nur einen Tag früher,
hat eine Jacke hängen gelassen. Wir haben jetzt das zweifelhafte Vergnügen, sie ihnen,
auf ihr telefonisches Ersuchen hin, quer durch Südafrika nachzuschleppen. Machen wir
doch gern!
Am nächsten Morgen geht's nach einem langwierigen Frühstück zum Flughafen Durban.
Ohne Probleme die Karre abgegeben, die vorreservierten Tickets abgeholt und pünktlich
nach Port Elizabeth gestartet. Nation Wide Air fliegt noch mit prähistorischen
Boeing 727; aber die Dinger tun's. Der Flug dauert etwa eine Stunde und geht die
Küste lang. In Port Elizabeth, das neuerdings
auch Nelson Mandela Metropole heißt, übernehmen
wir wieder einen Mietwagen und gurken los nach Addo.
Die Wegbeschreibung stimmt mal wieder nicht. Weiß der Kuckuck- wahrscheinlich
sind die Straßen am Flughafen wieder aus Jux und Dollerei umverlegt worden, um
deutsche Touris zu nerven. Dazu passt auch, dass der Nissan zwar rechtsgesteuert
ist, aber den Blinker dennoch wie in Deutschland hat, also wieder andersrum.
Somit fahren wir wieder mit Scheibenwischer um die Ecke. Teufel auch!
Man durchquert die Elendsviertel am Rande von
Port Elizabeth und brettert eine einsame Landstrasse Richtung Norden. Blöde Vögel
hocken in Scharen auf der Straße und machen erst in letzter Sekunde den Weg frei.
Ich habe keinen erwischt. Ein paar Kilometer vor dem Elephant Park liegt linkerhand,
direkt an der Straße, das Elephant House. Das Zimmer befindet sich in einem ehemaligen
Stall und ist relativ bescheiden
möbliert. Aber es gibt eine schöne Veranda, auf der
man unter Weinlaub stilecht ein Glas südafrikanischen Wein genießen kann (oder zwei).
Leider gibt es heute keine Tour mehr zum Elephant Park. Erst später kriegen wir raus,
dass man auch mit dem eigenen PKW hätte reinfahren können. Es ist sowieso schon spät;
so bereiten wir uns auf das Abendessen vor, das bei Kerzenschein auf der Veranda
des Haupthauses eingenommen wird. "Kerzenschein" heißt in diesem Fall, dass man nix
sieht, was nicht weiter schlimm ist; denn an der Entenkeule gab's ohnedies nichts
zu sehen. Es war kein Fleisch dran, das Essen war mau.
Morgens ging's dann wieder mit dem Jeep los. Im Park gelten
strenge Vorfahrtsregeln. Die Straßen sind gut ausgebaut.
Gibt es irgendwo einen Stau, dann ist das ein sicheres Zeichen für die Anwesenheit
von Tieren. Der Fahrer erzählt uns, dass im Park
420 Elefanten leben. Sie sind rot,
weil sie sich mit Schlamm einschmieren, als Sonnenschutz und gegen Parasiten. Man
hat damit begonnen, Elefanten mit Stoßzähnen einzukreuzen.
Durch Wilderei wurden nahezu alle Tiere mit großen Stoßzähnen ausgerottet. Ein eindrucksvolles
Beipiel für Zuchtauswahl, und was dabei rauskommt, wenn doofe Menschen
eingreifen. Das Parkmanagement hofft, das Wildererproblem inzwischen im Griff zu haben.
Ich hoffe es für die Elefanten.
Die Warzenschweine sind hier überhaupt nicht scheu.
Sie lassen uns sehr nahe ran und wir können erleben, wie mühsam die
Nahrungsaufnahme ohne vernünftigen Hals sein kann.
Dieses Problem haben Strauße oder andere
Vögel zum Beispiel nicht. Einschließlich der obligaten
Pause dauert die Tour vier Stunden.
In der Zwischenzeit wurde am Hotel der Wagen gewaschen, ein Service, den wir öfters genossen
haben. Ausschließlich Schwarze verdienen sich damit ein paar Rand hier und da. Auch wenn es
einem beim Mietwagen schnurz ist, wie er aussieht: bedank' dich anständig und lass' die Leute
ihr Geld verdienen. Besser als betteln.
Es geht wieder zurück nach Port Elizabeth, dort auf die N2 Richtung Westen. Etwa
siebzig Kilometer vor Plettenberg Bay erreicht man die Tsitsikamma-Berge. An der
Paul Sauer Bridge gibt es eine Tank- und Raststätte.
Am Geldautomaten kann man mit der EC-Karte problemlos Geld ziehen; das ist in ganz
Südafrika möglich. Wie praktisch.
Es ist noch Zeit genug für einen Abstecher in den Strorms River Park. Die Einfahrt dauert
ziemlich lange, weil anscheinend einigen der Nachtwächter noch die Schuhe besohlt
werden müssen, und zwar im Gehen, was allerdings kein großes Problem ist. Eine kleine
Wanderung zu einer Hängebrücke bringt den Kreislauf
wieder in Schwung, nach all der Gurkerei. Hohe Brecher,
herrliche Blicke auf's Meer.
In Plettenberg Bay schlägt dann unsere Tourbeschreibung wieder zu. "Von der N2 abbiegen
und bis zur Robberg Road fahren", heißt es sibyllinisch. Eine Stunde rumgekarrt,
keine Robberg Road. Auf mehrere Nachfragen stellt sich raus, dass wir schon mehrfach
dran vorbei geknattert sind. Heißt jetzt Kranshoek Road. Na wunderbar!
Weit draußen finden wir den Eingang zum Plettenberg Park Hotel,
eine große, abgesperrte Anlage. Das Hotel ist grandios an den Hang gebaut, eine wunderbare
Aussicht auf das Meer. Sogar ein Nachzügler-Wal taucht noch
auf. Es gibt einen betonierten Wanderweg, mühsam durch die Felsen gebaut, auf dem man
unmittelbar an's Meer kommt. Exzellentes Abendessen.
Am nächsten Morgen gibt es ein ausgedehntes Frühstück. Wir sind höchstens vier Männekes
im Hotel, und Sara gibt sich viel Mühe. Mitten im Frühstück verstummt plötzlich der
Jammerbarde vom Band, der die morgendliche Stimmung ein wenig eingetrübt hatte. Prima!
Der Grund dafür wird uns erst auf der Fahrt nach Oudtshoorn klar.
Überall in der Städten und Dörfern ist Verkehrschaos. Keine Ampel funktioniert,
an den Zapfsäulen stehen Typen mit langen Gesichtern rum und zählen die stehengebliebenen
Karren. Vor den Banken sind bewaffnete Wächter postiert. Auf den Kreuzungen wedeln
hoffnungslos überforderte Polizanten mit den Armen, als ob sie Fliegen fangen. Der
Strom ist weg! In ganz Südafrika. Dä!
Unser Tank ist gottseidank voll. Bei George biegen wir auf die N12 nach Norden. Durch
eine Landschaft, die teilweise an USA oder Australien
erinnert, fahren wir über den Montagu Pass und erreichen nach etwa drei Stunden Oudtshoorn.
Überall blühen die Jacarandas, das
Hotel liegt an der Hauptstraße. Auch hier ist noch
alles zappenduster. Erst nachmittags um drei kommt der Strom wieder.
Nördlich in den Groot Swartberge liegt die Cango Cave, eine Tropfsteinhöhle.
Gerade noch so erwischen wir die letzte Führung des Tages um vier Uhr. Dem Parkwächter
drücken wir sicherheitshalber noch zehn Rand in die Finger, damit er umgehend verduftet
und nicht mehr mitkriegt, welches A$%&§l@ch unser Auto verkratzt, während wir die
unteririschen Wunder bestaunen. Drei Viertel der Touris
sind Deutsche, es gibt eine deutsch geführte Tour und eine englische.
Die Höhle ist riesig und besteht aus mehreren Kammern. Sehenswerte
Formationen werden erläutert; teilweise wurden sie durch
Idioten schwer beschädigt, die sich jahrtausende alte Tropfsteine abgebrochen haben.
Nervenstarke Besucher können weiter in die Höhle krabbeln, jedoch sind die Passagen
zum Teil kaum größer als ein Rucksack. Nur für Nicht-Klaustrophobiker geeignet!
Auf dem Rückweg zum Hotel besuchen wir noch einige Handtaschen und Portemonnaies in
einem großen curio shop. Auch das Ausgangsmaterial ist dort rechts und links der
Straße zu besichtigen. Ein exquisites Menü beschließt
den Tag, Hauptgang Strauß, natürlich (Ostrich mit Mostrich, hähä).
Heute steht die längste Etappe auf dem Programm. Fünfhundert Kilometer nach Hermanus.
Zunächst wieder südlich nach Mossel Bay auf die N2, die als Garden Route bekannt ist.
Die Wälder rechts und links waren verbrannt, alles braun und schwarz. Schöne Garden
Route! Hatte ich mir anders vorgestellt.
Bei Swellendam biegt eine Straße zum Kap Aguilhas ab. Dort liegt der südlichste Punkt
des afrikanischen Kontinents. Eine Plakette markiert
die Linie, an der der Atlantik und der Indische Ozean aufeinander treffen. Reihum
fotografieren sich die Touris gegenseitig. Man kann den Leuchtturm
erklimmen und einen weiten Rundum-Blick genießen. Der Wind bläst heftig, man muss die
Brille mit den Ohren festhalten! Die Treppe im Turm ist steil, mehr wie eine Leiter.
Gelegentlich kommen von oben holländische Latschen geflogen, denen man geschickt ausweichen
muss. Trottel!
Über Bredasdorp und Napier erreicht man irgendwann Hermanus, ein Ferienort, in dem es
von "bed and breakfast" nur so wimmelt. Von der Uferpromenade
aus kann man in der richtigen Jahreszeit bequem Wale beobachten, die die Bucht bevölkern.
Um diese Zeit sieht man nur noch hier und da einige versprengte
Exemplare. Wenn man sehr vorsichtig ist, entdeckt man
vielleicht einen Klippschliefer oder zwei, oder ganz
viele. Der Hang ist voll davon, Massen, wie die Ratten.
Ein interessantes Schauspiel bieten immer wieder unerfahrene Touristen, die versuchen,
auf einer Bank mit Meeresblick fish and chips zu essen. Die haben die Rechnung
ohne die Möwen gemacht. Sehr erheiternd, erinnert an Hitchcock. Alles grinst, ohne
Unterschied der Herkunft. Im Hotel noch ein Bier aus der "Honest Bar". So was gibt's:
du nimmst dir, was du willst und schreibst es auf einen Zettel. "Honest" bezieht sich
jetzt auf die Zimmernummer, die du angibst ;-)
Westlich von Hermanus befindet sich ein botanischer Garten (Harold Porter), der mir aber
wenig Eindruck gemacht hat. Eher schon die Pinguin-Kolonie
Stoney, die vor allem geruchstechnisch auf höchstem Niveau zu überzeugen weiß. Weiter geht
es über eine der schönsten Küstenstraßen der Welt, die
alle paar hundert Meter Halteplätze bietet, um nach Grönland- und
Buckelwalen Ausschau zu halten. Auch Delfine sind hier zu
finden.
Die heutige Etappe führt nach Paarl in die Weinregion am Kap. Eine relativ kurze Distanz,
aber hier sieht die Straße so aus, wie ich mir die Garden Route vorgestellt habe:
alles grün ringsherum, Blumen und Blüten an der Straße, Weinberge, soweit das Auge reicht.
Ich kriege Durst. Paarl ist ein lang gestrecktes- tja, - Dorf, mit alten, gepflegten
Häusern.
Das Hotel ist das Grande Roche (link) mit dem berühmten Bosman's Restaurant. Das lässt hoffen!
Die Zimmer sind nicht übermäßig groß, aber sehr freundlich und nobel eingerichtet. Für
zwei Nächte wird's reichen. Eingecheckt, unsern Nissan Almera wacker zwischen einem Ferrari
und einem Jaguar eingeparkt, Zimmer bezogen. Genau meine Kragenweite!
Über Franschhoek geht's erst mal nach Stellenbosch, alles Namen, die man aus den heimischen
Weinregalen kennt. Auf dem Parkplatz wieder so ein dubioser "Autowächter" mit Schiffsminenfrisur
(wo lauter so Pinne abstehen). Zehn Rand, sicherheitshalber. Der Stadtkern von
Stellenbosch ist mit deutschen Weinörtchen nicht zu vergleichen.
Die Leute hier gehen anscheinend nicht gern zu Fuß, nur Autos und security, überall. Dennoch
bieten die Straßen mit den
blühenden Bäumen einen herrlichen Anblick, besonders bei
dem Wetter.
Kurz vor Paarl gibt es noch das Taal Monument zu bewundern.
Ein Denkmal, den afrikanischen Sprachen gewidmet. Tut mir leid, ich verstehe kein Wort.
Auch anderen Besuchern muss das Ding durch Führer erklärt werden, versteht kein Mensch.
Was will uns der Künstler sagen? Warum drückt er sich nicht klarer aus? Wurscht...
Für sieben Uhr ist ein Tisch bestellt, da geht's zur Sache!
Zwölfgang-Probiermenü, sechs Weine, empfohlen von der Sommelieuse (oder wie das heißt),
davor noch ein Gruß aus der Küche und ein Port. Um sieben die ersten und um Mitternacht
die Letzten, das isses! Leute, das war Klasse... Noch'n Digestif und ab in die Heia.
Die Bar besuchen wir ein andermal.
Frühstück gibt's auf der Terrasse, mit Blick über das Tal.
Ein Buffet, bei dem nichts fehlt. Den Tag verbringen wir mit einer Tour zur Küste.
Da man mit dem Auto unterwegs ist, kann man leider keine Weinprobe auf einem der vielen
Weingüter machen; man müsste einen Bus chartern. Egal, die Weinkarte im Restaurant ist
so dick wie das Telefonbuch von Berlin. Da ist für jeden was dabei, meine ich. Abends
gibt's das Menü Cape Variations, Strauß, Fisch, Springbock. Uneingeschränkt empfehlenswert!
Nach einem Riesenfrühstück geht es auf die kurze Strecke nach Kapstadt. Dazu muss man
ab Paarl nur der N1 folgen, bis zum Stau. Dann ist's nicht mehr weit. Das Winchester
Mansions liegt an der Beach Road und ist relativ leicht zu finden, was man von einem
Parkplatz dort nicht behaupten kann. Die Karre muss an der Straße stehengelassen werden
und bekommt ein Schild auf's Armaturenbrett, welches dafür sorgt, dass sich sowieso kein
Mensch drum kümmert.
Zimmer natürlich noch nicht fertig, Kaffee getrunken, an der Uferpromenade rumgetrieben.
Hier laufen auffällig viele Leute herum, die äußerst nachlässig gekleidet sind. Sie tragen nur
Turnschuhe und Shorts sowie einen roten, kurzen Schlips, der sich bei genauerer Betrachtung
als ihre Zunge entpuppt. "Jogger" heißen die hier, und sie tun etwas für die gute Luft,
indem sie alte Auspuffgase einatmen und in ihren Lungen filtern. Löblich!
Gegen zwei Uhr ist das Zimmer endlich bezugsfertig. Eng, aber in Ordnung. Der Kofferträger
könnte Hauptdarsteller in jedem niederbayrischen Bauernschwank werden! Der hat geschnauft,
als ob er die gesamte Kalahari allein umgegraben hätte. Hat dann den imaginären Schweiß
mit großer Geste weggewischt, um ein größeres Bakschisch rauszuschinden. Hat trotzdem nur
zehn gekriegt.
Die Minibar funktioniert prima, besser als nötig: da drin ist der Aletsch-Gletscher nachgebildet.
Die Limobüchsen sind kugelrund, weil eingefroren. Der Thermostat ist im Eimer. Komischerweise
sind die Bierpullen noch ganz, aber Bier am Stiel? Ich weiß nicht...
Mit dem Taxi geht's in die City. Na ja, wie viele andere
Innenstädte auch, nur dass es
extrem viele Gold- und Diamantenlädchen gibt, die aus unerfindlichen Gründen mit Eisengittern
versperrt sind und nur von innen geöffnet werden können. Krügerrand gibt's nur gegen cash,
keine Kreditkarten! Als wenn hier einer mit so viel Bargeld rumläuft.
Kinder betteln sehr zudringlich und grapschen an dir rum. Alles festhalten, aufpassen!
Die Straße scheint in Reviere eingeteilt zu sein; eine Bande geht nur bis zu einer bestimmten
Stelle mit, ab da übernehmen andere. Ich mag mich täuschen; aber es wirkte irgendwie
organisiert. Unangenehm.
Das Kastell hat leider schon zu. So besuchen wir einen
kleinen botanischen Garten. Gegen fünf Uhr leert sich die City schlagartig. Die meisten
Geschäfte lassen die Gitter runter. Nix mehr los hier; also wieder in's Hotel.
Um sieben kommt die Nummer mit dem Restaurant. Der Straßenverkehr nervt pausenlos, sehr laut.
Eine bestimmte Pulle Wein zu bekommen war ein Unterfangen von einer dreiviertel Stunde.
Freudestrahlend kommt der Kellner endlich mit der falschen an. Kommunikationsproblem
zwischen dem NURkellner und dem WEINkellner. Die richtige stand schon die ganze Zeit
auf dem Tresen und war irrtümlich für die falsche gehalten worden. Dafür war sie dann
auch nicht mal so gut.
Nach fast einer Stunde ging's dann richtig los, mit dem Gruß aus der Küche. Sollte Lachspastete
sein, schmeckte definitiv wie Leberwurst auf einem Keks. Dann kam die Kartoffelsuppe, die
angeblich aus war und eine Pilzsuppe sein sollte. Der Geschmack war neutral, also war's egal.
Weiter gewartet. Die Leute vom Nachbartisch verloren die Nerven und zogen nach einer Stunde
unter Krawall ab, weil sie bis dahin nur je ein Glas Leitungswasser bekommen haben.
Weicheier!
Plötzlich tauchten zwei Figuren in Anzügen auf und haben dem Personal Zunder gegeben. Auf
einmal konnten die sich bewegen. Jetzt kam auch der Hauptgang: Fischkatastrophe auf
Tomatenketchup an vergeigten Pilzen, im Dialog mit altersschwachen Beilagen. Herrlich.
Nach über zwei Stunden die Rechnung bestellt, den Wein ausgesoffen und ab nach rechts.
Im Zimmer noch eine Kakerlake ermordet, im Zorn: keine Diskussion! Kekse sicherheitshalber
in den Zimmersafe.
Das Bier war inzwischen aufgetaut und konnte problemlos durch den Ausguß entsorgt werden.
Den Eisschrank abgestellt und die Tür desselben mit allen verfügbaren Handtüchern und
Matten gesichert. Werden morgen schön feucht sein. Hoffentlich ersaufen wir nicht. Die
werden sich wundern. Nacht!
Heute geht es auf die Kap-Halbinsel. Das ist von der Beach Road ein ganz schönes Ende,
es wird mehrfach Wegezoll erhoben. Wat nix koss, is och nix! Am Cape Point gibt es
eine schienengeführte Seilbahn, die zum älteren und
größeren Leuchtturm hinauffährt. Schweizer Fabrikat.
Unten befinden sich einige Shops und ein Restaurant und oben die obligaten Wegweiser:
Chicago, Sydney, Berlin, Südpol.
Ein kurzer Weg führt Richtung neuem Leuchtturm. Warum
brauchen die hier zwei? Tja, mit dem ersten haben sie in's Klo gegriffen. Haben gedacht,
da oben steht er schön hoch und leuchtet weit. Tut er auch, solange es nicht neblig ist.
Ist es aber leider sehr oft, und so funzelt das Ding die Wolken an, und die Kameraden
sind mit ihren Kähnen weiter auf die Felsen gerumst. Eine Tafel zeigt, wann und wo die
einzelnen Schiffe abgenippelt sind. Also baute man weiter unten den neuen Leuchtturm,
der unter den Wolken durchstrahlt. Besser so. Kann man nicht besichtigen, ist gesperrt.
Der Weg nach unten ist leicht und nicht sehr weit. Sie sind auch garantiert nicht
allein unterwegs. Hunderte von Karren zieren die Straßenränder, die Insassen knipsen alle
den Wegweiser. Am Fuß der Seilbahn geht ein etwas steiniger Wanderweg ab, der zum eigentlichen
Kap der guten Hoffnung führt. Etwa eine Stunde hin und
zurück, nicht schwer, aber Stolpergefahr. Yep! Auf dem Kap finden man dann beispielsweise
ein paar Bayern, die deutsch verstehen und dich mit deinem eigenen Apparat fotografieren.
Benötigt man zur Beweissicherung.
Heute abend dinnern wir aber nicht im Winchester. Rund zwei Kilometer weiter, am Beach
Point, gibt es das La Perla, ein gutes und gut besuchtes Restaurant. Klingt italienisch,
aber die Kellner haben alle einen indischen Einschlag. Die beherrschen ihren Job! Das macht
Freude zu sehen, wie sie den Laden im Griff haben. Alles ältere Modelle, aber traumwandlerisch
sicher zwischen den Tischen, flott unterwegs und passioniert. So geht's auch!
Essen ist prima, hier kommen wir morgen wieder hin. Tisch reserviert.
Im Zimmer wartet dann noch eine Überraschung: die Hemden, die ich am morgen zur Reinigung
gegeben habe, sind zurück, im Karton. Kuck dir das an! SO
muss das aussehen , und das für einsfuffzich pro Stück. Die sehen ja besser aus als neu...
Der letzte Tag in Kapstadt. Mit dem Fahrdienst des Hotels gurken wir zur Talstation der
Tafelberg-Seilbahn. Ein beinamputierter Nikolaus mit nur
einem Arm bläst auf einer Flöte immer wieder fünf Töne in zufälliger Reihenfolge. Damit
verdient er sich seinen Lebensunterhalt. Die Gondeln sind rund, fünfzig Piepels
passen rein, von Visa gesponsert. Der Boden ist drehbar; beim Hochgondeln dreht er sich
zweimal um die eigene Achse, so dass jeder mal nach vorne und hinten kucken kann.
Auf dem Tafelberg gibt es gut ausgebaute und beschilderte Wanderwege. Man muss drauf achten,
dass das Ding nicht in den Wolken steckt; dann hat man eine wunderbare Aussicht auf
Kapstadt und die Umgebung.
Die Fernsicht ist leider nicht so gut. Etwas diesig. Dennoch schöne
Perspektiven. Achtzig Prozent hier oben sind Deutsche, der Rest Holländer. Holdrioh!
Nachmittags fahren wir noch in's Museum "Gold of Africa". Klein, aber schlecht besucht. Ist
zwar alles Gold, was glänzt, aber wenig Exponate. Krügerrand
verkloppen die hier auch nicht, schicken uns zu einer Touristen-Abzockerbude. Gold, Diamanten
und jede Menge Ramsch, keine One-Ounce-Pieces. Na dann: tschüss. Maschinell geschnitzten
Nippes will ich auch nicht.
Ab zur Waterfront. Dort gibt es beim Uhrenturm im Wesentlichen
einen Paulaner mit dem gleichnamigen Gebräu. Schon mal gut. Die Waterfront ist ein Touristentempel
mit unzähligen Shops, Restaurants und
Hafenrundfahrt. Sie gilt inzwischen als die meistbesuchte Touristenattraktion in Südafrika,
immerhin. Musikkapellen bieten ihre Künste dar, über deren
Qualität man geteilter Meinung sein kann (mein Trommelfell war auch geteilt). Vor der Truppe
eiert einer rum wie im Karneval von New Orleans; zappelt, als ob er die Bux voll Termiten hat.
Was solls's, die Leute tun ihr Bestes, und für Abwechslung ist jedenfalls gesorgt.
Zum Abschluss nochmal ein gutes Essen im La Perla. Morgen geht's dann wieder nach
Johannesburg. Den Herkules vom Kofferdienst werden wir nicht in Anspruch nehmen. Könnten
es nicht verantworten, wenn er mítten durchbricht. Scheußlicher Gedanke! Fast so scheußlich
wie eingefrorenes Bier.
Rückmarsch
Am Flughafen kein Theater wegen der Kratzer im Lack. Eine Stunde eher als gebucht vom
Domestic Terminal los, knappe zwei Stunden Flug. Morgen geht's weiter auf die Seychellen,
heute übernachten wir im Flughafenhotel, InterConti Sun. Rezeption etwas muffig, Zimmer in
Ordnung, aber Safe verrammelt. Reklamiert. Keiner kommt. Noch mal reklamiert. Dann kommt
einer, glotzt die versperrte Blechkiste an und meint, da müsste er seinen Decoder holen.
Ja toll! Ein Mann vom Fach. Mit Decoder hätt' ich's auch geschafft, oder was?
Ein Erkundungsspaziergang durch den Flughafen bringt die Erkenntnis, dass hier aber so was
von nix los ist. Ziemlich klein. Auf dem Heimflug in zehn Tagen müssen wir hier achteinhalb
Stunden absitzen. Na Mahlzeit. À propos: T-Bone Steak zu moderatem Preis. Schlachtplan für morgen:
Früh aufstehen, Koffer schnell einchecken und nochmal zurück zum Hotel, gemütlich frühstücken.
Der Schalter liegt ja direkt gegenüber dem Hotel, keine drei Minuten. Guter Plan!
Gesagt, getan. Frühmorgens die Koffer auf eine Karre geladen und schnell rüber zum Gate.
ACH DU SCHEISSE! Hab' ich gesagt: Nix los??? Die moslemischen Kapmalaien haben Kegeltour,
alle auf einmal. Tausende weißer Käppis und Nachthemden blockieren jede Handbreit Flughafen.
Kein Durchkommen. Hilflose Amateurordner versuchen, die bereits eingecheckten Kollegen dazu
zu bewegen, sich auf's obere Deck zu verziehen. Allah ist groß, unsere Koffer auch. Ich weiß
nicht, wie wir es zum Schalter geschafft haben, ein Wurmloch im Raum-Zeit-Kontinuum ist die
wahrscheinlichste Erklärung. Geschafft?
Aber nein! Da stehen vier Tussies um eine mobile Waage herum, verziert mit Null Ahnung.
Die beorderten uns vom Schalter wieder zurück und hießen uns, die Koffer auf die Waage zu
stellen. Alle quatschten durcheinander. Großer Gott! ÜBERGEPÄCK! Fünf Kilo.
Dazu muss man wissen, dass British Airways 23 kg Gepäck erlaubt, Air Seychelles aber nur
20 kg. Wir hatten jetzt zusammen also 45 kg.
Hilfe! Wo sind die Tickets? Ihr müsst Sachen aus dem Koffer in's Handgepäck umladen. Mein
Einwand, dass das doch sch...egal sei, ob die Klamotten im Handgepäck oder im Koffer mitgehen,
stieß auf eine betonharte Wand aus Unverständnis. Hamse nich begriffen. Zu doof. Das kommt
davon, wenn man immer Physik schwänzt. Was kosten denn fünf Kilo Übergepäck? Hamse auch nich
begriffen. Übergepäck, bezahlen, wieviel??? Desorientiertes Gegacker auf Kisuaheli.
Haltet den Rand...
Dem Knaben vom Schalter wird's zu bunt. Er mischt sich ein, schnauzt rum, grabscht die Koffer
und knallt sie auf die Waage am Schalter. Die zeigt nullkommanix an. Wortlos pappt er die
Banderolen um die Koffergriffe und händigt uns die Bordkarten aus. Good bye
(k.m.a.; vulg. engl. f. l.m.a.A.). Wir quetschen uns durch die Nachthemden endlich nach draußen.
Irgendwo habe ich mal gesagt, Seoul sei einer der chaotischsten Flughäfen der Welt- : definitiv
höchstens zweiter Platz!
Beim Frühstück beschleicht uns das ungute Gefühl, dass die Kiste vermutlich bis zum
letzten Platz voll ist, und wir wegen der fünf Kilo über das Ende der Startbahn hinaus
rasen werden. Kommen wir wenigstens in's Fernsehen. Wieder hin und durch die
Sicherheitskontrollen. Warum steht in meiner Schlange vorne immer das Arschloch
mit dem abgelaufenen Pass? Immer!
Ein Bus bringt uns zur 727-200 der Nation Wide Air, die den Flug für Air Seychelles durchführt.
Etwa vierzig Leute; der Bomber kommt bestimmt aus Kapstadt, ist randvoll und wir paar
Männekes steigen nur zu...? Kiste leer. Kommen bestimmt noch mehr Busse....? Nö. Doch, da
kommen noch welche... drei Mann! Ich brech' ab! Die Kiste ist dreiviertels leer und die
machen einen Zwergenaufstand wegen fünf Kilo Übergepäck, zweieinhalb pro Koffer. DIE
Gesellschaft muss man sich merken, die haben den Knall nicht gehört.
Über den Wolken werden wir, so wahr ich hier sitze!, darüber informiert, dass das Handgepäck
höchstens sechs Kilo wiegen darf und aus einem Stück bestehen muss. Meine zwei Stücke
wiegen zusammen dreizehn. Macht mal grade die Tür auf, ich schmeiß' meinen Fotoapparat raus,
direkt nach dem purser. Ansonsten ein ruhiger, angenehmer Flug nach Mahé.
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